Spielkram, Wissen

Unter Gemüseringern

11. August 2015

Ich liebe Quartette, ich habe eines mit Monstertrucks, eines mit Superschiffen und ein obercooles mit uralten Dinosauriern. Jetzt aber hat mir Käptn Muddi doch tatsächlich ein Gemüse-Quartett in die Hand gedrückt. Ich meine, geht’s noch? Das klingt erst mal so spannend wie ein Teller voller Gemüse halt so aussieht: Schön bunt aber muss das sein, Muddi?

Muddi sagt: Probiers doch einfach mal aus, Du Nörgelqualle!
Und Ruby sagt: Ja, Du Dummbaddel. Denn hier kannste nicht nur spielen, sondern endlich auch mal was lernen.

Ringen_Salat Ringen_MoehreDas nigelnagelneue Quartett „Gemüse-Ringen“ haben André und Chiara erfunden und dafür den Jury-Preis beim Yooweedoo-Ideenwettbewerb gewonnen. Die Beiden studieren Nachhaltigkeit, Gesellschaft und Umwelt an der Kieler School of Sustainability.  Das gewonnene Startkapital haben André und Chiara in die Umsetzung ihrer Idee gesteckt und diesen September werden die ersten hundert vorbestellten Kartendecks ausgeliefert. Na und weil die das sowieso speziell für Familien entwickelt haben, hat Käptn Muddi André einfach auch noch mit an den Spieletisch eingeladen. Der soll mal gucken, wie richtige Zocker zocken! Ich sag nur, lege Dich nie mit Kalle Qualle an! Vorher aber noch ne Frage:

Wieso denn ausgerechnet ein Gemüse-Quartett?

André: Wir fänden es toll, wenn sogar schon Ihr Kinder etwas über umweltverträglichen Gemüse-Konsum erfahrt. Und wir sind überzeugt, dass Spielen und Lernen super zusammen passen. Auf die Gemüse-Idee konkret sind wir im Supermarkt gekommen. Da stand vor uns ein Mann an der Kasse, der hatte einen typischen Veganer-Einkauf aufgelegt, also ganz ohne tierische Produkte aber dafür mit Zwiebeln aus Argentinien und Karotten aus Israel. Und da sagte Chiara zu mir: Lass uns ein Spiel über Gemüse machen!

Na gut! Ruby, meine Freunde Felix, Max und Bela und ich legen los. Beim Gemüse-Ringen gibt es acht Gemüsesorten und für jedes Gemüse gibt es je vier verschiedene Herkunfts-/ Anbau-Karten. Alle Karten werden auf alle Spieler aufgeteilt. Dann beginnt der Jüngste in der Runde, das ist Felix, der ist erst 8. Baby! Felix sucht sich eine der fünf Vergleichs-Kategorien aus. Natürlich am besten die, von der er denkt, damit alle anderen zu übertrumpfen und deren Karten zu bekommen. Je nach Kategorie ist entweder der höchste oder der niedrigste Wert der beste. So gewinnt beim CO2- und Wasserfußabdruck natürlich die niedrigste Angabe. Anders gesagt: Je weniger CO2 und Wasser für den Anbau, die Weiterverarbeitung und den Transport eines Gemüses verbraucht werden – umso besser. In den Kategorien Marktanteil, zeitlicher Verfügbarkeit und Konsummenge sind die höheren Werte wiederum die besseren.  Ringen_FlixRingen_MoehreRingen_LuschernHier also ein quasi Live-Mitschnitt unter Gemüseringern:

Felix: Meine spanische Bio-Paprika hat mal nen hübschen kleinen Co2 Fußabdruck von 556 Gramm– da könnt ihr einstecken!

Max: Igitt! Igitt! Ich finde Paprika voll eklig! Die will ich eh nicht! Ich will lieber Pizza.

Kalle: Ha, da hast du wohl mal gar keine Ahnung von meiner holländischen Gurke. Die hat nämlich mit 323 Gramm nen viel kleineren Fußabdruck als Deine Paprika! So rück rüber die Karte!

Bela: Och nö…, ich hab hier die ägyptische Bio-Kartoffel auf der Hand. Und ich sag mal so: Mit 722 Gramm Co2 Fußabdruck muss ich wohl aufgeben…

Ruby: Ha, Du hast die ägyptische Kartoffel? Ich habe die deutsche Kartoffel und die hat einen miniminimal vorbildlichen Co2 Fußabdruck von 183 Gramm. Rüber mit dem Gemüse!

Lange Gesichter in der Runde – außer bei Ruby. Immer diese überklugen Raben! Ruby sammelt ihre Karten ein und sieht ihrem Kartenstapel beim Wachsen zu. Und Apropos Wachsen, ihren schlauen Schnabel kann Ruby natürlich auch nicht halten.

Ringen_Einweg Ringen_AffenRuby: Wusstet Ihr eigentlich, dass viel von dem Gemüse, was wir hier so Tag ein Tag aus verspeisen, gar nicht in Deutschland wächst? Zum Beispiel die Tomaten. Wir mampfen fast das ganze Jahr über Tomaten. Und das ist auch nicht sonderlich schwer – denn sie liegen ja auch das ganze Jahr über im Supermarkt . Aber eigentlich hat die Tomate in Deutschland nur drei Monate Saison. Also müssen die Tomaten in Deutschland in Gewächshäusern oder gleich ganz weit weg in Spanien angebaut werden.

Und dort sogar so viel, dass sie selbst dort nicht nur auf Feldern, sondern auch in Gewächshäusern gezüchtet werden. Davon stehen in manchen Gegenden in Spanien so unglaublich viele, dass das aussieht, wie riesige Plastik-Städte, voll super hässlich! Und meine Raben-Kollegen müssen alle umziehen deswegen. Das verbraucht außerdem voll viel Energie und dann müssen die Tomaten auch noch nach Deutschland reisen…Und das alles nur, weil wir so gerne und immer Tomaten haben wollen. Da ist ja fast schon Ketchup gesünder – zumindest für unsere Umwelt! Kalle hörst Du mir überhaupt zu?

Kalle: Ja klar! Super, Ruby. Also soll ich jetzt lieber Ketchup essen oder wie kann ich helfen? André, Du hast doch das Spiel erfunden – was sollen wir denn dann essen im Winter, also etwa Ketchup?

Andre: Na, ich esse zum Beispiel im Moment Tomaten wie verrückt, aber Ende September ist dann eben Schluss damit. Ich habe jetzt auch den ersten Winter hinter mir, in dem es nur regionales und saisonales Gemüse gab: Kohlgemüse, Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Wintersalate… Also klaro könnt Ihr natürlich auch im Winter viel Gemüse essen, aber eben möglichst saisonal und regional.

Kalle: Ich höre immer nur regional – also hier aus Kiel am Nil oder wie?

André: Naja aus Kiel bzw. aus der nahen Umgebung von Kiel. Am besten man schaut auf unseren Wochenmärkten, wie auf dem Exer oder Blücherplatz. Viele Höfe aus der Umgebung bieten dort Gemüse an, was sie selbst angebaut haben.

Ruby: Aber im Supermarkt steht doch auch immer ganz viel Gemüse und es ist sooo schön bunt und knackig. Wie soll denn Käptn Muddi wissen, welche Sachen gerade Saison haben, damit sie auch gut einkauft? Soll sie Dein Gemüse-Quartett auswendig lernen? Da zeigt Dir Muddi aber mal schön nen Vogel!

André: Nein Quatsch. Aber Ihr könntet Käptn Muddi zum Beispiel so einen Saisonkalender für Gemüse und Obst schenken. Die Stadt Kiel hat erst vor kurzem so einen Kalender herausgegeben, den bekommt man überall und der kostet nix.

Kalle: Also soll Muddi jetzt besser immmer so regionale Sachen kaufen. Aber Ruby sagt doch immer, dass Bio voll der Hit ist…!?

André: Also der ökologische Landbau ist super für die Umwelt. Aber wenn das dazu führt, dass wir Bio-Kartoffeln aus Israel und Ägypten importieren und das dort sowieso schon knappe Wasser dazu benutzt wird, ist das irgendwie Quatsch. Deshalb finde ich eine Verbindung aus Regionalität und Saisonalität das beste. Also, dass Ihr oder Muddi guckt, dass das Gemüse gerade Saison hat UND aus der Umgebung stammt. Wenn das Gemüse dann noch aus ökologischem Landbau kommt, wird Gemüse zum wahren Umweltschutz-Superheld. Und Ihr natürlich auch.

Kalle: Ok, ok, wir kommen der Sache näher: Superheld, klingt ganz nach meinem Geschmack. Ich sehe schon, wir können eigentlich alle ganz schön einfach ziemlich viel besser machen. Jetzt aber zur wirklich, wirklich wichtigen Dingen, schließlich will ich hier bei dem Quartett abräumen und gewinnen: Welche der Karten ist denn der totale Super-Trumpf beim Gemüse-Ringen?

André: Mmh… Wenn man so ein Spiel ausklamüsert hat, weiß man, dass fast jede Karte, wenn es nicht gerade der importierte Spargel ist, seine Stärken hat. Trotzdem, die deutsche Kartoffel ist schon eine ordentliche Hausnummer. Die Kartoffel ist bei uns Grundnahrungsmittel, wächst perfekt und lässt sich gut lagern. Damit ist sie bei Konsummenge, Marktanteil und saisonaler Verfügbarkeit natürlich spitze!

Foto(c)Maximilian Bischof Ringen_Paprika_BigKalle: Ok, Danke sehr André. Ich werde mir die Kartoffelkarte heimlich markieren, nicht verraten! So und jetzt muss ich zum Essen. Es gibt Gemüsesuppe (hoffentlich mit Ketchup).

Und hier noch nur für Euch – voll die schlauen Links.

Werdet zu Gemüse-Ringern und unterstützt die tolle Idee von Chiara und André.
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In Kiel am Nil und um Kiel am Nil herum gibt
es jede Woche über ein dutzend verschiedener Wochenmärkte.
Bestimmt auch in Eurer Hood. Orte und Zeiten findet Ihr auf
der Seite der Stadt Kiel, also genau hier!

Mit einem Klick findet Ihr hier die Saisonkalender für Gemüse und Obst.
Hat die Stadt Kiel gemacht. Superknorke!

Fotos(c)Kiel am Nil
Portrait André und Chiara(c)Maximilian Bischof

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