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Unter meinem Bett 2: Mit Kakao und Rakete

20. Oktober 2016

Moin und Jo an alle Kinderzimmer Discjockeys – es gibt was Neues für Euch und Euer glitzerndes Musikköfferchen. Heute ist endlich der Kinder-Indie-Sampler „Unter Meinem Bett 2“ erschienen. Knapp ein Jahr nach Veröffentlichung der Pionier-Platte „Unter meinem Bett“ (siehe dazu Krakauers Bericht) tritt sie in große Fußstapfen und hat dazu Musiker wie Bela B, Cäthe und Laing eingeladen.

Für „Unter meinem Bett 2“ wurde nicht mit Synthesizern, Hammond-Orgel- und Bläser-Einlagen gegeizt. Sie ist ein wenig schneller und lauter als ihre Vorgängerin, und hat deutlich mehr weibliche Künstlerinnen im Aufgebot. Auch die genähte Coverfigur, erneut gestaltet von der großartigen Illustratorin Julia „Jules“ Wenzel, ist dieses Mal ein Mädchen, die E-Gitarre im Anschlag.
kan_untermeinembett2_figur2_www-kielamnil-deDer Sssssampler beginnt mit einer dicken Sssssssause – genauer gesagt dem schrillen Sssssss-Gesinge einer Mücke. Ja, „Mücken nerven Leute“ – und wie! – singen Laing, das Elektro-Soul-Pop Quartett aus Berlin. Ob wir Menschen diese Mücken jemals mögen werden? Immerhin wurden ihnen nun ein ganzes Kinderlied gewidmet. Allein aus Dankbarkeit dürften die Mücken ja jetzt mit dem Pieksen aufhören. Also ganz bestimmt sogar.

Es folgt ein Song des Hamburger Originals Das Bo aka Mirko Alexander Bogojević – zu seinem „Türlich Türlich“ haben Eltern wie Käptn Muddi vor über 15 Jahren ihre jugendlichen Köpfe im Takt nicken lassen, jetzt sind ihre Kinnings dran und können zu Das Bo´s Rock-Synthie Nummer „Quatschmachen und Schlapplachen“ genau das tun. Ein neuartiger, tief musikalisch geprägter Insider Dialog zwischen Eltern und Kindern könnte also in Zukunft folgendermaßen lauten:

Kind: „Mama/Papa, kann ich ne Runde Quatschmachen und Schlapplachen?“
Mama/Papa: „Türlich Türlich, sicher Dicker.“

Kaum ist Das Bo verstummt, schlägt die Scheibe ruhigere Umdrehungen ein – mit dem Song „Svenja und Raul“ nehmen uns Erdmöbel samt schwingender Bläsereinlage mit in die Nacht, denn wach sind ja eh alle… Und das ist auch gut so, denn im Anschluss heißt es Vorhang auf für DIE deutsche Jazz Stimme Lisa Bassenge. Mit „Andersrum“ singt sie eine wunderbare, liebevolle Hymne für alle, die „anders“ sind – ohne dabei zu vergessen, dass wir alle irgendwie andersherum sind.

Bei Ennos Bungers Tröstelied „Stachelschwein“ muss Käptn Muddi bei den Streichereinsätzen ein wenig sentimental an Oasis´ „Whatever“ denken und daran, dass irgendwie immer alles wieder gut wird. Vielleicht nicht für Bands wie die einst glorreichen Oasis. Aber für alle großen und kleinen Stachelschwein-Kinder dieser Welt. Und das ist eh viel wichtiger.

Und dann, dann ist da endlich wieder höchste Zeit für „Die höchste Eisenbahn“. Höre ich da vielleicht ein paar Klezmer-Klänge? Wo auch immer die Wurzeln ihres Liedes liegen – wenn das wundervolle Klarinetten und Xylophon Gedängeldongel beginnt, beginnen auch die Füße im Kinderzimmer zu wippen und nach kürzester Zeit singen alle lautstark mit: „Gib nich so an“!

Die höchste Eisenbahn packt uns ein Lied für-gegen-alle-Angeber unters Bett, Understatement wird hier klein geschrieben, ab und zu ist es halt einfach schön, so zu tun, als habe man eine eigene Rakete und fliege damit gelegentlich zum entspannten Kakao-Klatsch ins All. Am Ende ist ja eh alles eine Sache der Perspektive: „Ich geb doch nicht an. ich sag doch nur, was ich alles kann.“

Im Anschluss an die Eisenbahn kommt lautstark Bela B umme Ecke, ja korrekt, Bela mit B. Exakt dieser eine da von den Ärzten ist mitten auf der Platte druff, samt Berliner Schnauze. Aber er kommt im Juten: Will uns mit seiner Rock´n´Roll Nummer schließlich keenen Bären aufbinden, sondern nen Wolf mit Hut. Und was machen wa mit dem? Dem verpassen wir einfach wat. Also dem Wolf natürlich, nicht dem Bela. Weeßte Bescheid.
kan_untermeinembett2_figur_www-kielamnil-deNach B kommt C und daher endlich die großartige Cäthe – mit ihrer einzigartig rauen Röhre hat sie „Unter meinem Bett 2“ ein inbrünstiges Lied über einfache wie wertvolle Kinderwünsche beigesteuert. Welcher in diesem Fall wäre: MAN ICH WILL DOCH EINFACH NUR FAHRRADFAHREN! Ein kleiner Tritt für die Erwachsenenwelt – ein großer Moment für die Kinder. Einfach mal raus schreien und selber lenken.

Es folgen einfühlsame Lieder vom Reisen ins All, neunmalklugen Papa-Weiß/Dummheiten, konkreten Wünschen und komplexen Fragen – beigesteuert von der Kölner Indie-Band Locas in Love („Von hier oben“), Herrenmagazin Frontmann Deniz Jaspersen („Was der Papa sagt“), der Liga der gewöhnlichen Gentleman („Eine Cola soll es sein!“) und Albrecht Schrader („Ich und die anderen“).

Schön abgeschwoft werden kann übrigens auch zu Erobiques und Jaques Palminger „Farben“. Der Hamburger Komponist Carsten „Erobique“ Meyer und Studio Braun Mitglied und Musiker Heinrich Ebber steuern einen der schönsten, leichtesten Texte des Albums bei. Also raus mit den Colors Leute, Regenbogen ist minimum und let´s dänce.
kan_untermeinembett2_glitter_www-kielamnil-deStill endet die zweite Episode von „Unter meinem Bett“ – vielleicht ja sogar träumend IM statt unterm Bett: „Den lieben langen Tag“ ist eine wunderschön gesungene Gute Nacht Geschichte der Berliner Singer/Songwriterin Dota: „Alle schweigen wenn sie schlafen und es wird ruhig auf der Welt“.

Und bevor nun wirklich gleich alle einschlummern: Auch „Unter meinem Bett 2“ ist ein Muss für alle Familien, die in kinderfreundliche Sphären deutscher Indie-Musik abtauchen wollen. Einziger Wehrmutstropfen: „Unter meinem Bett 2“ erreicht nicht ganz die kleine-große Poesie, die sich bei Teil 1 wie ein roter Faden durch die Boxen drängelte und uns in den Arm nahm. Zur „1“ haben wir ein wenig mehr gekuschelt und beseelt geschunkelt.

Dennoch: Es ist höchste Eisenbahn Danke zu sagen – für jeden, der sich ernsthaft mit guter Kindermusik auseinandersetzt und jedem flach lausigen Lalala ein berührendes Laber-mich-nicht-zu entgegen setzt. Und einer von da draußen darf sich nun besonders freuen:

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Wer will mit unters Bett? Kiel am Nil verschenkt ein frisch gepresstes Exemplar von „Unter meinem Bett 2“.

Was Ihr dafür tun müsst? Verratet uns, zu welchem „Indie Schinken“ aus Eurer Jugend Ihr am liebsten heute mit Euren Kindern durchs Wohnzimmer tanzt – oder ihnen damit auch einfach auf die Nerven geht.

Eure Antwort könnt Ihr hier unten direkt ins Kommentarfeld reinträllern – oder sendet uns eine Mail an info(at)kielamnil.de
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  • Dankeaberichmachdasanders 21. Oktober 2016 at 13:34

    Unser kleiner hat im Auto zum ersten mal mitgesungen bei „türlich türlich sicher Digger“ auf die Frage alles klar? Antwortet er noch heute mit: sicher Digger :-)
    Da würde die CD ja bestens passen!

    • Käptn Muddi
      Käptn Muddi 28. Oktober 2016 at 11:04

      Hallo liebe „Dankeaberichmachdasanders“, Du hast einen sehr lustigen Vornamen 😉 Vor allem aber schreibe ich Dir, weil das Los entschied, dass Du jewonnen hast. Sicher? Sicher Digger! Bitte sende mir per Mail an muddi(at)kielamnil.de Deine Adresse, so dass sich „Unter meinem Bett 2“ auf die Reise zu Dir machen kann. Glückwunsch, Käptn Muddi

  • Anne-Christine 26. Oktober 2016 at 14:55

    Ahoi Muddi, wir hören gern die alten Tracks von den Absoluten Beginnern. Aber auch das neue Beginner-Album ist bei uns als Autofahr-Musik sehr beliebt. Unserer Töchter grölt bei „Meine Posse“ am lautesten mit.

  • Bettina 26. Oktober 2016 at 20:50

    Moin moin! Oder auch ‚was geht Leude seid ihr mit mir down…‘ sorry, das ich mich einreihe, aber das passt oft so gut :-D… “ mit ner Windel um’n Kopp…“ hahaha… sind schon alle genervt hier. Würde mich mega freuen über die CD!!