Kiel Geschichten, Muddi

Wie in Kiel am Nil ein Stern in den Kleinen Kiel fiel

21. Dezember 2015

DruckRuby

 

 

usstet Ihr eigentlich, dass vor einigen Jahren in Kiel am Nil ein ziemlich echter Stern in den Kleinen Kiel fiel? Es war irgendwann einige Tage vor Weihnachten und ich wie immer pünktlich zu spät dran mit meinen Weihnachtsgeschenken. Also bestellte ich im Supernetz. Bei Supernovazon orderte ich einen außergewöhnlich hübschen und ausgefallen-gezackten Weihnachtsstern.
Das perfekte Geschenk für Matrose Vaddi. Dieser hat ein Herz für aufsehenerregende Deko-Objekte. Und für Weihnachten sowieso. Alles lief wie geschmiert, der Versand vor Weihnachten war garantiert und inklusive. Der unverschämt hohe Preis von zwei Millionen Euros irritierte mich natürlich etwas und ich musste dafür all meine Goldtruhen leeren. Aber Vaddi ist es mir wert. Dann war er da, der 24. Dezember – Vaddis Stern allerdings nicht. Fuchshasenwild rief ich beim Postkutschen-Service-Telefon an und hakte detektivisch genau nach.

Während dessen saß Rabe Ruby daheim am Kleinen Kiel von Kiel am Nil, knabberte gedankeneinfangend an ein paar Zimt-Erdnüssen und beobachtete den funkelnden Sternenhimmel. Ein wissbegieriger Rabe wie Ruby nämlich war niemals satt – weder an Erdnüssen noch an Fragen an unsere Welt. Derzeit ganz oben standen die komplexizierten Fragen der Astronomie. Und heute speziell die der Weihnachts-Astronomie.

Denn, wenn es diesen Weihnachtstern,  damals vor tausenden Jahren in Bethlehem wirklich gegeben haben sollte, wo ist er nun hin, warum kommt er nicht wieder? Wurde er von reichen Scheichen gekidnappt? Und wieso hatten Josef und Maria das Licht im Stall an, wenn der Stern damals doch eh alles erhellte? Plötzlich machte es ein zischen-funkelndes Geräusch. Etwa so:

KaN_Weihnachten_SprechblaseWar das etwa? Aber das konnte doch nicht wahr sein? War da gerade tatsächlich…? Ruby rieb sich ihre Rabenaugen, denn sie traute ihnen kaum. Ein Stern war gerade vom Himmel geplumpst – mitten hinein in den Kleinen Kiel. War das denn die Möglichkeit??? Oder hatte Ruby einfach zu viele Zimt-Erdnüsse genascht?

 

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hre Bestellung 01011-2412 vom Supernovazon-Versand sagen Sie? Moment… Ja! Wurde so eben geliefert, allerdings steht hier etwas im Bemerkungsfeld: „Kundin fehlen wohl jegliches räumliches Denkvermögen + Plus sämtliche astronomische Grundkenntnisse + Stern deutlich zu groß für Briefkasten + Wurde beim Wunschnachbarn abgegeben. + Rabe Ruby, Parkbank 1 am Kleinen Kiel Ratsdienergarten, Kiel am Nil+“

„Zu g-r-o-ß?!? Zu Ruby? Naja dennoch, vielen Dank für Ihre astronomisch gute Auskunft und Frohes Fest!“

Schnell schaute ich nochmal in die Bestellbemerkungen rein, und da fiel es mir wie Sternschnuppen von den Augen: Der Stern Tantillus leuchtet mit natürlichen Leuchtmitteln, zählt 97 Zacken, einen Durchmesser von einem Kilometer und wird direkt aus dem All geliefert.

Oh, ein Kilometer…! Tz Tz Tz – den nächsten Stern kaufe ich direkt im Laden. Auf dem Foto sah er absolut passend aus! Dann sollten die wohl mal größere Bilder machen von ihren Sternen. Alles Astromateure!

SternHöchst empört warf ich mir meinen Weihnachtsmannmantel über und stapfte zum Kleinen Kiel. Schritt für Schritt wurde ich fröhlicher. Es war eine außergewöhnlich helle Heilige Nacht in Kiel am Nil. Weißer Glitzerstaub bedeckte die Dächer und Straßen festlich. Und als ich daran roch, bemerkte ich, dass es Sternenstaub sein musste!

Angekommen am Kleinen Kiel traf ich auf Ruby. Sie saß mit zehn Sonnenbrillen übereinander vor den Augen am deutlich erleuchteten Ufer und bestaunte Tantillus. Zumindest das, was man von ihm sah, denn bis auf ein paar lustige Zacken war der Stern im Wasser verschwunden.

„Käptn Muddi! Gut, dass Du hier bist. Unglaubliches ist passiert. Ein Weihnachtsstern ist direkt vor meinen Füßen gelandet. Das ist ein Wunder der Natur! Ein wissenschaftliches Jahrhundertereignis! Ein Wahnsinn! Ein Milchstraßmeilienstein für Kiel am Nil! Ein … Moment mal, kann der überhaupt schwimmen? Wir sollten ihn retten! Da raus holen! Auswringen, aufhängen und zurück ins All werfen! HILFE!“

Ruby, Ruby! Beruhige Dich, kleiner zerzauselter Rabenzottel mit Zimtbart. Der Stern ist hier ganz ganz bestimmt an der richtigen Adresse. Denn ich bin mir sicher, heute Abend ist sein innigster Weihnachtswunsch in Erfüllung gegangen – nämlich endlich ein Seestern zu sein!“

„Meinst Du wirklich? Mmm… Komisch, dass er sich dafür nicht den Nil, oder zumindest die Ostsee ausgesucht hat, aber womöglich hat er ja auch die Unendlichkeit von da oben satt und will endlich ein kuscheliges, kleines zu Hause…?“

Und so war auch Ruby zufrieden mit der Gesamtsituation und es wurde noch ein ziemlich toller Weihnachtsabend. Vaddi kam mit Rumpunsch rum. Ich schenkte ihm eine Tüte voller Zimt-Erdnüsse, Ruby kraxelte begeistert von Stern-Zacke zu Stern-Zacke und gemeinsam trällerten wir feierlich sämtliche Weihnachtslieder von 5 Sterne Deluxe.

 

Druckm nächsten Morgen leuchtete der Stern nicht mehr. Passanten blieben stehen und wunderten sich über die seltsamen Zacken, die aus dem Wasser ragten. Einer sagte zu Ruby:

„Ist das Kunst
oder kann das weg?“

„Das ist ein Stern,
der im Kiel feststeckt.
Bitte haben sie Respekt!“

Die Leute lachten.
Doch das war Ruby
heute knall egal
und sie zwitscherte
fröhlich-feierlich

KaN_FroheWeihnachten_Boot

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